Wels: Braune Bombendrohung gegen Bürgermeister auf rechter Facebook-Seite

„I mog Wels nimma“ heißt eine Facebookgruppe, in der sich zahlreiche Rechtsextreme und Neonazis aus Wels und Umgebung versammelt haben. Hass-Ergüsse gegen Muslime, Linke, Roma und missliebige Politiker/innen gehören hier zum Standard. Auch Mordaufrufe sind – wie in der rechtsextremen Szene üblich – keine Seltenheit: Im Februar 2012 forderte die Userin „Silvia Sonnenschein“ etwa die Wiedereröffnung des KZ Mauthausen und wünschte sich einen „kleinen Hitler“ (siehe hier und hier), im August des Jahres forderte ein User namens Jürgen Haupert, Ausländer zu „liegwitirn“ (sic! liquidieren), im Jänner 2013 schlug der ehemalige FPÖ-Funktionär Jochen L., die „gezielte Umsiedlung“ des „Kanackengesindels“ in das „Kurhotel Ausschwitz (sic)“ vor. L. entschuldigte sich nach medialer Berichterstattung und einer Strafanzeige gegen ihn für das Posting – er sei unter „Drogeneinfluss“ gestanden.

Die braune Hetze gipfelte nun in einer Bombendrohung der Userin Irene Sagmeister gegen den Welser SPÖ-Bürgermeister Peter Koits. Sagmeister, die auf ihrer Userseite mit einem T-Shirt der Neonazi-Gruppe „Blood and Honour – Aryan Brotherhood“ posiert, möchte dem „Türken Peter“ (dem Welser Bürgermeister) und „denen“ (den Muslimen bzw. Ausländern) auch eine „Zug Karte nach Auschwitz“ spendieren.

i mog wels nimma auschwitz

„Das“ (gemeint sind Ausländer) hätte es unter dem „Adi“ nie gegeben, schimpft sie weiter.

i mog wels nimma sagmeister adi

sagmeister

Irene Sagmeister

Aber auch andere Mitglieder der Hetzseite lassen – unter Berufung auf die von Neonazis viel bemühte Meinungsfreiheit – braunen Kot vom Stapel: Das Gruppen-Mitglied Andreas Arthaber ruft etwa dazu auf, Angehörige des Islams, die Sex mit Kinder haben würden (eine häufig von Rechtsextremen verbreitete Behauptung), anzuzünden, auch die Verwendung eines Baseballschlägers mit Nägeln sei möglich.

i mog wels nimma angezündet

User „Roland Sorg“ stimmt ein und fordert „9 Gramm Blei“.

i mog wels nimma 9 gramm blei

User Christian Duftschmied schlägt gleich ein konkretes Opfer vor: „bei mir im haus wohnt ein türke 37 jahre seid 20 jahren in österreich 1 jahr gearbeitet hat jetzt die pension bekommen auf grund von kreuzschmerzen und bekommt 900€ bei demm fangen wir an“.

i mog wels nimma duftschmied

Auch User Martin Ennser denkt an den Einsatz von Konzentrationslagern: „mauthausen steht nu, aufmoch einhazn und geht scho..ich würde der erste heizer sein der des gsindl verhazn würd,do brauch i oba hilfe weils goa so vü san“.

i mog wels nimma mauthausen

Auch er ist der Meinung, „das“ hätte es zu „Adis Zeiten“ nicht gegeben.

i mog wels nimma adis zeiten

Als Anstachler auf der Seite fungiert der bekannte Welser Neonazi Ludwig Reinthaler, der leidenschaftlich gerne gegen den „linksextremen Ausländerbürgermeister“, Ausländer und Roma hetzt. Zahlreiche Anzeigen gegen Reinthaler wegen Verhetzung und NS-Wiederbetätigung wurden von der zuständigen Staatsanwaltschaft Wels in der Vergangenheit eingestellt.

reinthaler neonazi zigeuner

Im Jahr 2009 war Reinthaler mit dem Versuch, mit einer eigenen, mit zahlreichen rechtsextremen Kandidaten versehenen Liste („Die Bunten“) bei der Welser Gemeinderatswahl zu kandidieren, gescheitert. Seine Tochter und damalige Spitzenkandidatin Sonja Höfer hat die Niederlage bis heute nicht verkraftet: „DIE BUNTEN HÄTTEN DIE STADT WELS BESSER GEMACHT!!!!“ jammert sie auf der Seite der rechten Hass-Gruppe.

i mog wels nimma höfer

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5 Responses to “Wels: Braune Bombendrohung gegen Bürgermeister auf rechter Facebook-Seite”

  1. Wels1 | Bombendrohung gegen Welser Bürgermeister Koits Says:

    […] https://rfjwatch.wordpress.com/2013/10/18/wels-braune-bombendrohung-gegen-burgermeister-auf-rechter-f… […]

  2. Wilhelm Amann Says:

    einfach nur traurig

  3. Raabenweib Says:

    Wir haben eine Welt geschenkt bekommen. Diese Welt hatte keine Grenzen. Die Grenzen existieren in unseren Köpfen. Auch wir sind Ausländer- fast überall! Wir sollten füreinander da sein und uns gegenseitig helfen damit es uns ALLEN besser geht. Ich vermute, dass dieser Hass auf schlimme Familienverhältnisse zurückzuführen ist. Wahrscheinlich haben diese Menschen nie Liebe bekommen. Ich habe 8 Jahre lang mit Flüchtlingsfamilien gearbeitet. Die Politik macht viel falsch, es gibt kaum jemanden, der diesen Menschen hilft, kaum jemand weiß, wie sie hier leben, was sie dazu bewogen hat her zu kommen, niemand kennt ihre Geschichten. Es ist so traurig, wenn man bedenkt, wie Flüchtlingskinder aufwachsen müssen. Ohne Wurzeln, teilweise haben sie Familienangehörige verloren, sie kennen keine Kindergäörten oder Schulen, mussten sich oft verstecken, kennen nur Hass und können NICHTS dafür. Und geht es einfach zu gut. Je mehr wir haben, desto feindseliger werden wir Österreicher. Ein Volk des Jammerns. Es ist zum schämen.

  4. Stoppt die Rechten » Braune Hetze: „Unterm Adi hätte es das nie gegeben“ Says:

    […] Sailer angezeigt und von der Gruppe „Heimat ohne Hass“. Ein neuer umfangreich dokumentierter Beitrag von RFJ-Watch belegt auch den Verdacht der NS-Wiederbetätigung durch Mitglieder dieser Gruppe. Weiter mit […]

  5. I mog Wels nimma – Hetze geht weiter | Says:

    […] « Wels: Braune Bombendrohung gegen Bürgermeister auf rechter Facebook-Seite […]

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