Archive for September, 2013

Hetze und Feindseligkeiten gegen Roma in Salzburg-Land

September 4, 2013

Anfang September 2013: Eine Gruppe von Roma versucht in Anthering (Salzburg-Land) zu campieren. Es kommt zu einem Konflikt mit dem Besitzer des Grundstückes, das sich die Roma zur Rast ausgesucht haben. Letzterer, ein Bauer, verfasst einen Text, in dem von Morddrohungen gegen seine Person durch einen Rom die Rede ist und veröffentlicht diesen auf Facebook. Die Polizei habe ihn nicht bei der Verteidigung seines Besitzes unterstützt, meint er darin. Wenig später berichten lokale Medien über den Vorfall. Der Facebook-Bericht des Bauern wird innerhalb weniger Tage von knapp fünftausend Facebook-User/innen weiter verbreitet. Neben den Links zu dem Artikel des Bauern finden sich wutentbrannte Schimpftiraden und Mordaufrufe. Nicht etwa von Rechtsextremen, sondern von „ganz normalen“ Österreichern, die geifernd ihrem Zorn über einen Angriff auf einen der ihren Luft machen:

Boris G. schlägt etwa vor: „Mauthausen als neuer Campingplatz für solche Leute?“ [gemeint ist offenbar das Konzentrationslager, Anm.] Adrian B. fragt: „Kann da mal jemand aus Versehen einen brennenden Tanklastzug abstellen. Solche Ratten braucht niemand.“ Auch Alexander R. denkt an den Einsatz von Benzin gegen die Roma: „Ins güllefass Benzin und beim vorbeifahren…“. Harald Sch. schlägt vor, so viele Leute wie möglich zu organisieren, sich zu vermummen und „mit an baseballschläger …..[ sic]“.

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Der Bauer aus Anthering bringt schließlich Gülle auf seinem Grundstück aus, um die Roma zu vertreiben. Walter Rainer, FPÖ-Obmann von Anthering, den eine Facebook-Freundschaft mit dem Welser Neonazi Ludwig Reinthaler verbindet, zeigt sich erfreut: „Diese Gfraster wollen wir in Anthering nie mehr sehen!“

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Die Roma fahren schließlich nach Bischofshofen weiter, um ihre Fahrzeuge auf einem legal von der Gemeinde zur Verfügung gestellten Grundstück abzustellen – und auch hier wird massiv Stimmung gegen diese Menschen – die offenbar nicht dem „gesunden Volksempfinden“ mancher DorfbewohnerInnen entsprechen, gemacht. Jugendliche (es sind durchwegs junge Männer) mobilisieren auf einer Facebook-Seite gegen die Roma, vor Ort kommt es zu Beschädigungen an Autos (offenbar beider Seiten) und Steinwürfen. Während einige Medien einerseits davon berichten, dass Jugendliche aus dem Ort die Roma attackierten, behaupten die Jugendlichen, von den Roma bedroht worden zu sein. Auch auf der erwähnten Facebook-Seite finden sich zahlreiche Aufrufe von Österreichern zur Gewalt:

„Hahaha a,boa molotov kean do aufi“ [„Ein paar Molotov gehören da rauf“] und „Soboid i wos hea,in da wohnung steh i scho draussn midn kloppmesser alta des los i ma in mein lond nid gfoin!!! Des,drecksgsindl kead ausgrott“ [Sobald ich etwas höre, in der Wohnung, stehe ich schon draußen mit dem Klappmesser, das lass ich mir in meinem Land nicht gefallen!!! Das Drecksgesindel gehört ausgerottet“], schreibt etwa ein Stefan H. „Oida hurren gsindl!!! Weg mit dem dreck sofuat!“ [„Hurengesindel!!! Weg mit dem Dreck sofort!“], entgegnet ein Rene W.
Pablo H. versteigt sich gar zu der Aussage: „Do brauchma die Endlösung“ [„Da brauchen wir die Endlösung“] Auch „Luzi Dafuq“ ruft zu Gewalt auf: „Bei jedem Zigeunerzug der vorbeikommt das gleiche Spiel.. Reifen stechen, Scheiben einschlagen, vllt. brennt ja auch mal ein wohnwagen.. dann trauen sich die nicht mehr her.. in diesem Sinne: Gut gemacht!“

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Die Dorfjugend und auch die FPÖ, auf deren Saat Hassausbrüche wie diese keimen können, dürfen sich freuen – die hassgeschwängerte Stimmung trägt Früchte: Die Roma verlassen Bischofshofen.

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